1 Einleitung

Unter Open Government Data (OGD) versteht man von öffentlicher Hand zur Verfügung gestellte Daten, die frei zugänglich sind und uneingeschränkt verwendet werden können. Dabei handelt es sich um Datensätze die ohnehin vorhanden sind, weil sie von Amts wegen geführt werden müssen. Personenbezogene Daten werden grundsätzlich nicht veröffentlicht.

Durch den Regierungsantritt von Barack Obama im Jahr 2009 nahm das Thema international an Fahrt auf und gelangte schließlich auch nach Europa. Am 15. Mai 2011 ging das OGD-Portal der Gemeinde Wien als erstes Angebot in Österreich online. Mittlerweile stehen österreichweit über 400 Datensätze zur Verfügung, weitere wurden bereits angekündigt.

In theory, map purpose should determine what gets mapped. In practice, however, map design is also affected by the nature of available data.Robinson 1995: 331.

Die Verfügbarkeit von Daten ist laut Robinson also ein entscheidender Punkt, wenn es darum geht, eine Karte zu entwickeln. Wer schon einmal eine Karte erstellt hat, ist vermutlich mit dem Problem vertraut. Die öffentliche Hand verfügt über enorme Datenbestände, diese sind jedoch meist nicht ohne weiteres zugänglich. Eine konsequente Öffnung aller Datensätze – sofern sie entsprechenden Grundsätzen unterliegen – würde es extrem erleichtern, sich kartographisch auszudrücken.

Ziel von Open Government Data ist es aber nicht primär Kartographinnen und Kartographen das Leben zu erleichtern. Ein neues Verständnis von Bürokratie und damit verbundene interne Vorteile einer zeitgemäßen Verwaltung seien ebenso erwähnt, wie die enormen kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Vorteile, die eine offenere Gesellschaft mit sich bringt.

Die bisherige Entwicklung in Österreich ist zweigeteilt. Einige Verwaltungseinheiten haben sich selbst die Verpflichtung auferlegt, alle Datensätze bei denen es sinnvoll ist, frei zu geben, andere keinen einzigen.

Ziel dieser Arbeit ist es, diese noch junge Entwicklung mit kartographischen Augen zu betrachten. Die Forschungsfrage lautet: Welche Datensätze, die den Grundsätzen von Open Government Data entsprechen, sind in Österreich verfügbar und wie werden sie bisher kartographisch genutzt?

Dazu sind folgende Unterfragen zu betrachten:

  • Was sind Open Government Data?
  • Woran erkennt man Open Government Data?
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Open Government Data?
  • Seit wann gibt es Open Government Data und woher kommt diese Entwicklung?
  • Welche österreichischen Verwaltungseinheiten bieten Daten an oder beabsichtigen dies zu tun und welche (geographischen) Informationen enthalten diese?
  • Welche technischen und strukturellen Vorgaben sind nötig um Daten im Sinn von Open Government anzubieten?
  • Welche Daten sind in Österreich zurzeit vorhanden und in welchen Formaten liegen diese vor? Wie sieht es mit entsprechenden Metadaten aus?
  • Welche Anwendungen wurden bisher seitens der Öffentlichkeit aus den neu verfügbaren Daten erstellt?

Aus wissenschaftlicher Sicht, ist das Thema Open Government primär im Bereich Politikwissenschaft und Verwaltungsforschung anzusiedeln. Kartographisch sind seine bisherigen Auswirkungen wohl am ehesten dem Bereich der Neokartographie zuzuordnen. Die Kommission für Neokartographie wurde auf der Internationalen Kartographischen Konferenz (ICC) 2011 in Paris gegründet. Ihre Ziele erklärt sie wie folgt: „Many examples of new and innovative mapping are being produced outside the normal orbit of existing cartographers or map producers. The term neocartographers is being used to describe map makers who may not have come from traditional mapping backgrounds, and are frequently using open data and open source mapping tools. Another difference is in the blurring of boundaries between map producers and map consumers. The availability of data and tools allows neocartographers to make their own maps, show what they want, and often be the intended audience as well – that is to say they may make the maps for themselves, just because they can.Neocartography.

Doch darüber hinaus hat die Entwicklung das Potential, auch im Bereich der klassischen Kartographie Verwendung zu finden. Immerhin handelt es sich in vielen Fällen um qualitativ hochwertige Datensätze aus vertrauenswürdiger Quelle, die sehr zeitnah zur Verfügung stehen.

Die Entwicklungen rund um Open Government Data sind sehr neu und vieles ist noch in Bewegung. Ein wesentlicher Aspekt im Zusammenhang mit OGD ist das Internet. Niemals zuvor konnte derart viel Information innerhalb so kurzer Zeit verbreitet werden und das zu verschwindend geringen Kosten. Das wirkt sich auch auf diese Arbeit aus, es gibt nur sehr wenig Fachliteratur in gedruckter Form. Dort wo es möglich war, wurde auf diese Publikationen zurück gegriffen. Weite Teile dieser Arbeit basieren jedoch auf Informationen aus dem Internet. Als sehr ergiebige Möglichkeit auf dem Laufenden zu bleiben, hat sich im Zuge der Recherchen der Kurznachrichtendienst Twitter herausgestellt. Dort werden täglich neue Informationen über dieses Thema verlinkt.

In einem ersten Schritt ist es notwendig zu definieren, worum es bei Open Government Data geht. Dieser Terminus setzt sich aus den Begriffen Open Data und Open Government zusammen. Der Weg zu Open Government Data wird über ein Vorgehensmodell definiert, das kurz erläutert wird, um schließlich den Versuch anzustellen Open Government Data zu beschreiben. Dazu hat man sich in auf eine Liste von 10 Punkten geeinigt. Sind diese erfüllt, entspricht das den Intentionen von OGD. Ein wichtiger Punkt ist weiters, darauf hinzuweisen, welche Vor- und Nachteile diese Entwicklung haben kann, beziehungsweise wo ihre Grenzen liegen. Das Kapitel schließt mit einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung und die Vorstellungen der EU bezüglich OGD.

Wie ist der Stand von OGD in Österreich derzeit? Welche Verwaltungseinheiten nehmen daran Anteil und von welcher Ausgangslage konnte man starten? Mit der Cooperation OGD Österreich schuf man sich selbst ein Steuergremium, das wichtige Impulse erarbeitet. Es folgt eine Auflistung all jener Institutionen, die ein OGD-Portal anbieten und ein Ausblick auf die zu erwartenden Neuerungen. Abgerundet wird das Thema mit Informationen zur in Österreich empfohlenen Lizenzierung.

Das Kapitel Technisches zeigt, welche Voraussetzungen in dieser Hinsicht zu beachten sind. Eine Auflistung der in Österreich vorkommenden Formate und räumlichen Bezugssysteme folgt ebenfalls.

Eine Übersicht über – aus kartographischer Sicht – interessante Datensätze findet sich in Kapitel sechs. Welche Anwendungen aus diesen Datensätzen erstellt wurden, wird im darauffolgenden Kapitel erläutert. Dabei wird in die Klassen Gis-Karten und Visualisierungen, Online Karten, Smartphone Apps und öffentlicher Verkehr unterschieden. Mit dem Resümee folgt eine abschließende Betrachtung des Themas. Es ist unterteilt in eine Beurteilung aus kartographischer Sicht und eine allgemeine gesellschaftspolitische Betrachtung. Es folgen Abkürzungs-, Literatur-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. Weiters Anhang, Zusammenfassung, englischsprachiges Abstract und ein Lebenslauf.

Verwendete Literatur

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