2.2.5 Fachliche Bedenken

Mit dem Einzug digitaler Technologien in den Alltag vieler Menschen, sah sich die Kartographie – wie viele andere Wissenschaften auch (Stichwort „Doktor Google“) – mit dem „Problem“ konfrontiert, dass jede und jeder ohne viel Aufwand Karten machen konnte. Bereits 1988 hieß es: „Datenverarbeitungsanlagen, graphische Geräte und kartographische Programme sind allgemein verfügbar. Jeder, der Zugriff auf die entsprechende Infrastruktur hat, kann Karten zeichnen, auch wenn er das kartographische Einmaleins nicht oder nur ungenügend beherrscht. Das Ergebnis ist eine zunehmende Verschmutzung der Umwelt mit fehlerhaften, unsinnigen und überflüssigen thematischen Karten.Rase 1988: 126.

Diese harten Worte basieren auf einem Verständnis der Kartographie gleichermaßen als Wissenschaft, Handwerk und Kunst, wie es früher üblich war. Jörg fasst das wie folgt zusammen: „Die Kunst der Kartographie lag bisher in der Abstimmung und dem Zusammenspiel der einzelnen kartographischen Ebenen und Thematiken innerhalb eines geschlossenen Systems (z. B. Karte). Mit der Implementierung der Geo-dateninfrastrukturen ist dieses geschlossene System weggebrochen und nun ‚schweben‘ die Geodaten – gekapselt in künftig Millionen von Geoservices – ‚frei und führungslos‘ (d.h. ohne kartographischen Zusammenhalt) im Web.Jörg 2011: 164.

Mit einem ähnlichen Problem sieht sich der Journalismus heutzutage konfrontiert. Aus diesem Bereich stammt die Abbildung 3. Der von der Stadt Wien veröffentlichte Datensatz Top 100 Vornamen in Wien: Zeitreihe wurde mit Hilfe der online Datenvisualisierungssoftware tableau in den Artikel eingebaut. Das Ergebnis ist ein Diagramm mit 100 sich gegenseitig überlagernden Linien mit qualitativer Farbgebung. Anstatt einen Artikel zu verfassen, der auf den zugrundeliegenden Daten beruht, werden hier einfach alle zur Verfügung stehenden Informationen gleichzeitig angeboten.

Abbildung 3: Das alleinige Vorhandensein von Daten schafft noch keinen Informationsgewinn, nur durch die entsprechende redaktionelle Aufbereitung sind die Zusammenhänge erkennbar. Gossy 2012

Verwendete Literatur

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