2.2.4 Finanzielle Auswirkungen auf die Verwaltung

Pauschale Angaben zur Wirtschaftlichkeit offener Daten für einzelne Bestandteile der Verwaltung lassen sich nicht machen. Daher wird meist von einer Umwegrentabilität für die gesamte Volkswirtschaft gesprochen. So etwa: „Anwendungen, basierend auf offenen Daten, können zu besseren und effizienteren Leistungen führen. Positive gesamtgesellschaftliche Effekte werden durch Umwegrentabilität, durch neue Geschäftsmodelle und dadurch höhere Steuereinnahmen des Staates erwartet.COGDÖ 1 2012: 4. Jedoch wird sogleich auch einschränkend angemerkt: „Der präzise Nutzen und Wert von Open Government Data für Politik und Verwaltung kann nur eingeschränkt quantifiziert werden. Für die Verwaltung ergeben sich neben der ‚Auslagerung‘ von Applikationsentwicklungen weitere ökonomische Chancen durch Steuereinnahmen aus den verkauften Applikationen.COGDÖ 1 2012: 4f.

International gibt es einige Beispiele die konkrete Zahlen für diesen volkswirtschaftlichen Nutzen angeben. Die Europäische Kommission tut dies etwa und spricht davon, dass Satellitennavigationsanwendungen, die durchaus im Sinn von Open Government gesehen werden können, im Jahr 2009 mit 800 Milliarden Euro einen direkten oder indirekten Anteil von 6 bis 7 Prozent am BIP der Union hatten vgl. EK 1 2011.

Eine weitere Zahl, die im Zusammenhang mit der Öffnung von Regierungsdaten genannt wird, ist ein jährlicher Nutzen von 40 Milliarden Euro: „Europa muss […] sein Innovationspotenzial stärken und seine Ressourcen bestmöglich einsetzen. […] Eine dieser Ressourcen sind die Informationen des öffentlichen Sektors (PSI)1, also alle Informationen, die öffentliche Stellen in der gesamten Europäischen Union produzieren, sammeln oder erwerben. […] Diese Informationen haben ein beträchtliches und derzeit ungenutztes Potenzial für die Weiterverwendung in neuen Produkten und Dienstleistungen und für Effizienzsteigerungen in den Verwaltungen. Aus der Öffnung dieser Ressource könnte sich ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen von bis zu 40 Mrd. EUR jährlich in der EU ergeben.EK 2 2011. Diese Zahl bezieht sich auf einen Review bisheriger Studien zur PSI-Verwendung von Graham Vickery. Für den Bereich der Geoinformation heißt es dort: „In the geospatial sector, economic benefits could be increased by some 10-40% by improving access, data standards, and building skills and knowledge. Productivity gains from geospatial applications in local government could double over the next 5 years if better policies were adopted.Vickery 2011: 4. Aus diesen Gewinnen anfallende Steuern fließen dann wieder indirekt an die Verwaltung zurück. Das es dabei durchaus Unterschiede innerhalb der Daten gibt, was ihre kommerzielle Verwendung angeht, zeigt die Abbildung 2.

Ein weiterer Aspekt, der der Verwaltung zugute kommt, ist der Mehrwert, der durch jene Anwendungen zustande kommt, für die offene Daten verwendet werden. So kommt eine noch unveröffentlichte Studie der Donau Universität Krems laut dem CIO der Stadt Wien Johann Mittheisz bei der VIII. OGD Plattform Wien am 20.09.2012 zu dem Schluss, dass allein aufgrund der in Wien erstellten Anwendungen nach einem Jahr ein Mehrwert von 200.000 Euro geschaffen wurde. Teilweise können diese Anwendungen wiederum von den öffentlichen Institutionen verwendet werden, anstatt Firmen beauftragen und dafür bezahlen zu müssen. So verwendet etwa das Open Government Projekt Wiener Charta die Anwendung Leaflet Maps Marker (s. CMS Plugins).

Abbildung 2: Klassifikation von Daten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten OECD 2006: 12

In diesem Zusammenhang soll ein weiterer finanzieller Aspekt nicht unerwähnt bleiben. Schon bisher werden öffentliche Daten verwendet, um daraus neue Inhalte zu erstellen. Jedoch müssen dafür in weiten Teilen auch entsprechende Entgelte bezahlt werden. Diese wiederum helfen den jeweiligen Institutionen, sich zu einem gewissen Grad selbst zu finanzieren. Die POPSIS-Studie der Europäischen Kommission gibt unter anderem einen Einblick in die Situation beim Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV), einer nachgeordneten Dienststelle des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend vgl. EK 3 2011: 127ff:

  • Das BEV hatte 2010 ein Budget von 84.971.000 Euro, darin sind veranschlagte Einnahmen von 22.526.000 Euro enthalten. Daraus ergibt sich, dass das BEV in diesem Jahr mit 26,5% Deckungsgrad etwa ein Viertel seines Budgets selbstständig erwirtschaftete.

  • Im Jahr 2006 stellte das BEV sein Preismodell um, wodurch die Preise für Produkte um bis zu 97% fielen. Damit wurden im darauffolgenden Jahr enorme Steigerungsraten in den Verkäufen erzielt (200 – 1.500% bei kartographischen Produkten, 7.000% für Orthofotos, 250% bei DKM und DEM, 1.000% beim DLM, sowie eine Verdoppelung externer Lizenzen). Durch die starken Steigerungen der Verkaufszahlen hatte die Preisreduktion keine negativen Effekte auf die Einnahmen.

Verwendete Literatur

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