4.3 Räumliche Bezugssysteme

Ein seit jeher bestehendes Problem der Kartographie, die Unmöglichkeit, die wahre Erdform verzerrungsfrei auf einer zweidimensionalen Karte wiederzugeben, spielt auch im Kontext offener Daten eine Rolle. Aus historischen Gründen liegen die meisten großmaßstäbigen österreichischen Geodaten ursprünglich im Bundesmeldenetz oder im Gauß-Krüger-System vor. Dieses bezieht sich auf das Bessel Ellipsoid mit dem Datum MGI (Militärgeographisches Institut). Als Bezugsmeridiane gelten die Längenkreise M28, M31 und M34, 28°, 31° bzw. 34° östlich von Ferro. Das MGI-Datum zeichnet sich dadurch aus, dass es der Erdgestalt in Österreich sehr nahe kommt, es ist allerdings nur sehr lokal verwendbar. Für Übersichtskarten des Bundesgebiets kam meist die Lambert'sche konforme Kegelabbildung auf Basis des Bessel-Ellipsoids zu tragen.

Dem gegenüber stehen die Web Mercator Auxiliary Sphere Projektion, die sich als globaler Standard für Karten im Internet durchgesetzt hat, und das Bezugssystem WGS84 mit geographischen Koordinaten, beide sind weltweit in Verwendung. Dazu kommt noch das ETRS89-System mit UTM-Koordinaten das als Vorgabe für INSPIRE-konforme Daten definiert wurde und das mittlerweile auch in der österreichischen Landesaufnahme Verwendung findet vgl. Wien 8.

Bei den in Österreich vorhandenen OGD-Datensätzen zeigt sich diese historisch gewachsene Vielfalt der Bezugssysteme. Die Wiener WMTS-Daten werden in der Web Mercator Auxiliary Sphere publiziert um mit den weltweit etablierten Earth-Viewern wie Google Maps, Bing Maps oder OpenStreet Map kompatibel zu sein. Die übrigen Standortdaten aus Wien verwenden das WGS84 vgl. Wien 8.

Für die Stadt Graz gilt: „Sämtliche Points of Interest-Daten werden für OGD im CSV-Format zur Verfügung gestellt und zwar sowohl im Bezugssystem WGS84 in Geografischer Länge (Lambda) und Breite (Phi) (EPSG:4326) als auch in der Web-Standard Projektion: Web Mercator Auxiliary Sphere (EPSG: 3857). Die WMS-Services werden in Web Mercator Auxiliary Sphere (EPSG: 3857) angeboten.Graz 1.

Neben diesen beiden Städten die auf ihren Portalen auf die verwendeten Systeme verweisen, spielen diese auch in allen anderen zur Verfügung gestellten Datensätzen – bewusst oder unbewusst – eine Rolle. In Linz wird für die Rasterdaten das Gauß-Krüger-System mit dem Bezugsmeridian M31 benutzt und für die Infrastrukturstandorte zusätzlich noch WGS84 mit geographischen Koordinaten. Die Tabelle 5 gibt einen Überblick über alle, in aktuellen OGD-Datensätzen verwendeten räumlichen Bezüge mit Angabe der dabei genannten EPSG-Nummern.

Tabelle 5: Im Zuge der OGD-Projekte verwendete Bezugssysteme.
G-K M28 G-K M31 G-K M34 Lambert WGS84 Geogr. ETRS89 UTM Web Mercator Geogr. Andere
EPSG 31254 31255 31256 31287 4326 3038 bis 3051 3857
BMF
Graz
Kremsmünster
Linz
Salzburg
Tirol
UBA EPSG:4312 MGI
Vorarlberg
Wien

Die bestehende Vielfalt der Systeme ist durch die historische Entwicklung der Vermessung in Österreich und später hinzugekommene Einflüsse von außerhalb zu erklären. Durch entsprechende Transformationen können Koordinaten von einem System in ein anderes übertragen werden, wobei ein solcher Vorgang nie mit geodätischer Genauigkeit erfolgen kann. Die Seite geoland.at – das Geodatenportal der österreichischen Bundesländer – bietet einen Koordinaten-Transformations-Service an, der zwischen den in Österreich gebräuchlichsten Koordinatensystemen umrechnen kann. Der Dienst basiert auf der Bibliothek PROJ.4, die bei darüber hinaus gehenden Aufgaben ebenfalls verwendet werden kann.

Verwendete Literatur

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